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Bist du kein Teil dieser
Welt - verzage
nicht!
Verbirg Dein Anderssein!
Lass all Deine Sorgen zurück!
Sei vollkommen wenn du verschleiserst was du bist oder
was immer
du sein könntest.
Und vor allem:
schweige ewig!
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ALTE ANDACHT
Damit ich deinen Schoß
besser liebkosen kann
hast du ihn offengehalten
mit zwei Fingern
wie Ischtar und Lilith
und wie die steinerne oder
hölzerne Sheela
in alten irischen Kirchen
die ich früher erstaunt
vor Augen sah
Aber wenn ich jetzt
mit geschlossenen Augen
zurückzuschauen versuche
sehe ich keine Gottheit
nur immer dich
wie du
dich mir gezeigt hast
schöner als jede Göttin
aus Holz
oder Stein
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brennende flügel
am hohlen rücken,
fetzen von fleisch
über das knochengerüst.
nie wirst du sein,
was du glaubtest zu werden,
erhoben in hellen wahn.
hinabgestürtz in tiefe trauer
wirst du erkennen,
es ist alles vorbei.
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BEVOR ICH STERBE
Noch einmal sprechen
von der Wärme des Lebens
damit doch einige wissen:
Es ist nicht warm
aber es könnte warm sein
Bevor ich sterbe
noch einmal sprechen
von Liebe
damit doch einige sagen:
Das gab es
das muss es geben
Noch einmal sprechen
vom Glück der Hoffnung auf Glück
damit doch einige fragen:
Was war das
wann kommt es wieder?
(Erich Fried)
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DIE TÜRE
Wenn die Nacht
keine Türe hätte
woher käme dann der Tag
Und zuletzt
wohin ginge er
wenn die Nacht
keine Türe hätte?
(Erich Fried)
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In Dunkelheit bist Du zu
mir gekommen und
in der Dunkelheit bist Du wieder gegangen.
("Das Phantom")
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Und die Moral von der
Geschicht´:
Mädchen weich vom Wege nicht!
Bleib´ allein und halt nicht an,
traue keinem fremden Mann!
Geh´ nie bis zum bitt´ren Ende
geb´ Dich nicht in fremde Hände!
Merk´ Dir eines:
In der Nacht
ist schon mancher Wolf erwacht.
Deine Schönheit zieht sie an
und ein Wolf ist jeder Mann.
Weine um sie keine Träne.
Wölfe haben scharfe Zähne!
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Wir arbeiten im
Dunkeln.
Wir tun unser Bestes um das
Böse zu
bekämpfen, weil es uns sonst zerstören würde.
Aber
wenn der Charakter
eines Mannes sein Schicksal ist, dann ist dieser Kampf keine Wahl
sondern
eine Berufung.
Manchmal jedoch bringt uns das
Gewicht dieser
Bürde zum stolpern, dringt in die zerbrechliche Festung unseres
Geistes
ein und erlaubt den Monstern von ausserhalb sich nach innen zu
wenden.
Und wir werden am Abgrund
stehen, allein gelassen
und starren in das lachende Gesicht des Wahnsinns.
(Akte X)
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STRAUCH MIT
HERZFÖRMIGEN BLÄTTERN
Sommerregen warm:
Wenn ein schwerer Tropfen fällt
bebt das ganze Blatt
So bebt jedes Mal mein Herz
wenn dein Name auf es fällt
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LETZTER GUTER RAT
Hinter einer Hecke sitzen sie
Leben und Tod
Beide rufen mich
beide wollen mir raten
Hinter der Hecke
höre ich ihre Stimmen
Durch die Hecke darf ich nicht durch
darf sie nicht sehen
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"Hör auf dein
Unglück zu lieben
und liebe dein Glück!
Noch heut! Du hast nicht mehr viel Zeit!" ruft die eine
Stimme
Die andere sagt:
"Behalte lieb was du liebhast
Auch sein Unglück lieben kann Glück sein und
die Liebe
echseln bringt Unglück"
Dann sagen sie beide: "Geh!"
und ich gehe und weiß
eine davon ist mein Tod
und eine mein Leben
(Erich Fried)
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Schweigen
Die Bäume Rücken
näher zusammen. Uralte Geschichten, erzählt ohne
Worte, entsprungen der
Einheit.
Sanft wie Mondlicht im Dunkel der Nacht.
Wir lauschen schweigend.
Mit gleichen Gedanken.
Wie die anderen Bewohner dieses Ortes, der selbst
ergriffen schweigt um
zu hören.
Einsamkeit vergeht und die Schatten verschwinden.
Leise rauscht der Wind und hell funkeln die Sterne.
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"Die zwei
größten Tyrannen der
Erde:
Der Zufall und die Zeit."
-Johann Gottfried Herder-
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VORÜBUNGEN FÜR
EIN WUNDER
Vor dem leeren Baugrund
mit geschlossenen Augen warten
bis das alte Haus
wieder dasteht und offen ist
Die stillstehende Uhr
so lange ansehen
bis der Sekundenzeiger
sich wieder bewegt
An dich denken
bis die Liebe
zu dir
wieder glücklich sein darf
Das Wiedererwecken
von Toten
ist dann
ganz einfach
(Erich Fried)
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einsam sitze ich,
versteinert
aus trauer,
wartend an
deinem grab.
wartend, dass
sich die lider heben,
du mich anblickst
und mich umarmst.
doch du
wirst nicht kommmen,
und ich werde warten,
für immer,
an deinem grab.
(Jana Lind)
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(AUSSCHNITT AUS) TRYPTYCHON
(...)
Zu viele Linien waren in
meiner Hand
zu viele Menschen waren auf dieser Messe
zuviel Gesoll und Gehaben
zuviel Zeit ohne dich
(...)
Nun Nachdenken
nun Ausruhen
ohne dich
Kummer lernen
Er wird nicht der einzige sein
Herbst lernen
Frösteln lernen
Ins Tal schauen
ohne dich
(Erich Fried)
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DIE BAUMPRINZESSIN
SPRICHT
Der Atem von dreitausend
Sommern
und dreitausend Wintern
ersetzt meinen eigenen Atem
und bewegt nicht
mein Kleid aus gegerbtem Leder
und nicht mein Haar
im hohlen Baumstamm mit seiner Rinde aus Kohle
Ich habe aufgegeben das Rot
meiner Lippen
und meine Lippen
Ich habe aufegegeben das Grau meiner Augen
und meine Augen
doch ich behalte den Glanz
meiner toten Haare
und ich behalte die Schönheit meiner Knochen
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Du der mich küssen
will
nach dreitausend Jahren
sagst mir
dass der Tod
der Tod der Lebenszeit ist
Meine Lebenszeit war kurz
keine dreißig Jahre
Hundertmal länger
ist die Brücke die du jetzt schlägst
mit deiner Liebe
und mit deiner hilflosen Trauer
und deinen Tränen
an meinem vor hundert Jahren
geschändeten Sarg
(Erich Fried)
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Wahnsinn (für
Zed)
Rotes Blut - Lebensquell
im Dunkeln das einzige Licht.
Heißes Verlangen -
Hunger
in unserer Stille ein Schrei.
Schwarze Nacht -
Schutzherrin
in der Einsamkeit unsere Verbindung.
Endlose Zeit - Extase
in unseren zerspringenden Herzen.
Sanfte Berührung -
Todeskuss
im Bann unserer Vereinigung.
Tiefe Liebe - Wahnsinn
in der Leere der einzige Halt.
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